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02.06.2020

„Augenreiben“

Liebe Freunde, Kunden, Mitinvestoren!

Die Aktienmärkte haben sich fulminant von den Mitte März erreichten Tiefpunkten erholt. Wir sind ehrlich gesagt überrascht von dieser „V“ – förmigen Erholung, steht sie doch den täglichen Nachrichten ein gutes Stück weit entgegen. Ein Blick hinter die Kulissen hilft da vielleicht. 
 
Zu Beginn die Fakten:
 
1. Die bisher veröffentlichten Daten zur Entwicklung der Volkswirtschaften sind die schlechtesten seit den 1930er Jahren;

2. Die „V“ – förmige Erholung der Börsen finden in den fundamentalen Indikatoren, also den Einkaufsmanagerindizes, dem Konsumentenvertrauen o.ä. keine Unterstützung;

3. Die aktuelle Hoffnung, dass sich die Wirtschaftsaktivitäten in den kommenden Monaten wieder in Richtung 75% bis 80% des Vorkrisenniveaus steigern, reichen bei weitem nicht aus, um die Pleite vieler Marktteilnehmer zu verhindern;

4. Die Virologen sind im Hinblick auf die Entwicklung eines Impfstoffes eher zurückhaltend, vermutlich liegt das daran, dass das bei den „Corona“ Viren in den letzten Jahren nicht gelungen ist;

5. Die USA wählen im November, der „Slapstick“ Präsident könnte sich – je nach Umfragen – genötigt sehen, den Ton in der ein oder anderen Richtung zu verschärfen, Gründe gibt es dafür sicherlich genügend (u.a. die Entwicklungen in Hongkong);

6. Nach der Erholung der letzten Wochen sind die Aktienmarktbewertungen eher teuer bis sehr teuer;

All das macht uns nachdenklich.

An den Börsen geht die Erholung unterdessen in den dritten Monat in Folge. Allen voran in den USA, dort waren die Kurse – ähnlich wie 2008 – nicht so stark gefallen, nähern sie sich bereits ihren Vor-Krisen-Niveaus (z.B. der Nasdaq 100 bei aktuell 9.600 zum All-Time-High 9.720 Punkte Mitte Februar). Das in einer Situation, wo die Arbeitslosenzahlen nie für möglich gehaltene Höhen erreicht haben.

Wo ist der Zusammenhang?

Anders als in früheren Krisen sind Staaten und Notenbanken schon im März „All-In“ gegangen. Eine Erhebung der Universität in Chicago hat gezeigt, dass fast 70% der Arbeitslosen aktuell mehr Geld in der Tasche haben (vom Staat großzügig verteilt), als sie vorher durch die tägliche Arbeit erzielten. Die Menschen sitzen nun also ohne Beschäftigung zu Hause. Die Erhebung zeigt, dass rund ein Drittel der Menschen in dieser Lage (Einkommen 35.000 bis 150.000 Dollar/Jahr) den Handel in Aktien „entdeckt“ haben. Die Anzahl der Depoteröffnungen bei den diversen Onlinebrokern bestätigen dies (unserer Erfahrung mit Depoteröffnungen hierzulande übrigens auch), waren es im Durchschnitt der letzten Jahre etwa 150.000 pro Monat, so ist diese Zahl alleine im April auf über 500.000 angestiegen (…). Weiter lesen wir, dass sich diejenigen, die sich sonst intensiv mit Sportwetten beschäftigen, durch die Absage im Aktienmarkt eine Alternative gefunden haben. So haben sich denn auch die Handelsaktivitäten bei den Onlinebrokern in etwa verdreifacht.

Gleichzeitig hat sich das gesamte Umsatzniveau an den Börsen seit dem Tief zwar leicht erholt, es liegt jedoch immer noch nur rund bei der Hälfte des letztjährigen Durchschnitts. 

So treffen am Markt viele neue „Trader“ auf eine eher überschaubare Liquidität!

Soweit die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist die der Unternehmen selber. Die Berichterstattung zum I. Quartal ist zu 97% gelaufen und in vielen Unternehmensmeldungen finden wir neue, kreative und aus unserer Sicht eher „eigenartige“ Informationen:

- Kennzahl EBITDA: diese Kennzahl gibt - grob gesagt - an, wie hoch der nachhaltige operative Cashflow (E= Earnings) vor (B= before) Zinsen (I = Interest), Steuern (T – Taxes), Abschreibungen (D = Depreciation, A = Amortisation) eines Unternehmens ist; zuletzt sehen wir vermehrt, dass hier noch der Buchstabe „C“ hintenangestellt wird, EBITDA“C“, der Gewinn also auch um alle „Corona“ Einflüsse bereinigt wird (so als würde es diesen gar nicht geben).

- Eine landesweit präsente Restaurantkette geht sogar noch weiter; dort werden nur die Zahlen der Restaurants in die Berichterstattung aufgenommen, die während des Lock-Downs geöffnet waren; dort kommen dann Umsatzzahlen von minus 10% heraus, obwohl 80% der Restaurants geschlossen waren;

Auch wir hoffen natürlich und inständig, dass die Pandemie schrittweise ihren Schrecken verliert, die Welt nach und nach wieder in den Normalmodus umschaltet. Einzig beim Tempo, welches die Börsen aktuell vorlegen, reiben wir uns jedoch die Augen.

Herzliche Grüßen aus dem Kölner Süden

Ihr Werte Invest Team
 

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