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10.10.2019

„Tulpenzwiebel“ – Abschluss und Fazit

Liebe Freunde, Kunden, Mitinvestoren!

In den insgesamt neun Beiträgen unserer „Tulpen-Serie“ haben wir uns damit auseinandergesetzt, welche Auswahlkriterien dem geneigten Anleger zur Auswahl von Investments im Aktienbereich zur Verfügung stehen.

Heute, quasi als Abschluss, empfinden wir es als absolut notwendig einige Sachverhalte anzufügen, die der Investor – vor der Wahl des jeweiligen Kriteriums – in seine Überlegungen mit einbeziehen sollte (aus unserer Sicht ein Muss!). Egal, ob wir uns nämlich für die kleinen (Size), die preiswerten (Value), die modischen (Momentum), die tollen (Quality) oder die stabilen (Low/Min Vol.) oder die einkommensstarken (Dividende) Unternehmen entscheiden – immer gilt es, die Investitionsentscheidung vor dem Hintergrund des jeweils aktuellen wirtschaftlichen Umfeldes zu reflektieren. Immer und in jeder Hinsicht folgen die Preise/Kurse der Unternehmensanteile nämlich deren mittel- bis längerfristigen Gewinnperspektiven und die sind eben davon abhängig, wie es in der Wirtschaft läuft.

Auf heute übertragen können wir die Situation wie folgt beschreiben:

Der wirtschaftliche Aufschwung in den USA ist seit Juli 2019 offiziell der längste in der Geschichte des Landes, Glückwunsch!

Sicherlich liegt das daran, dass man die Lehren aus der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 sehr konsequent gezogen, Veränderungen mit dem typisch amerikanischen Pragmatismus umgesetzt hat. Es zeugt aber auch von einer hohen Kompetenz der Entscheidungsträger und dem unbedingten Vertrauen der Menschen in das amerikanische System. Vollbeschäftigung, niedrige Inflation und die eingangs erwähnte längste Wachstumsperiode der Wirtschaftsgeschichte zeugen davon.

Währenddessen debattiert Europa heute, 10 Jahre später, immer noch. Die nationalen Regierungen kümmern sich um die jeweiligen Befindlichkeiten und scheuen sich, die wirklich wesentlichen Fragen zu beantworten: „Wollen wir die europäische Union überhaupt? Mit allen Konsequenzen wie einem gemeinsamen Haushalt, gemeinsamer Fiskal- Außen- und Wirtschaftspolitik, einem gemeinsamen Banken- und Finanzmarkt?“

Gleichzeitig wachsen die – immer noch als Schwellenländer bezeichneten – Volkswirtschaften Asiens rasant, machen uns schon heute in einigen (bei weitem nicht allen) Bereichen vor, wie man es besser macht. Der gerade, nach nur 4-jährigen Bauzeit eröffnete neue Flughafen in Peking, immerhin der zweitgrößte weltweit, ist nur ein Beispiel dessen.

Da ist aber auch noch die andere Seite der Medaille. Seitdem die USA einen Immobilien-„Fachmann“ als Präsidenten haben, hat sich der dortige Schuldenstand um weitere 2.000 Milliarden Dollar erhöht. Zum Amtsantritt noch bei gut 20 Billionen, liegen sie heute über 23,7 Billionen – 23.700 Milliarden! Im Verhältnis zur dortigen Wirtschaftskraft sind das rund 105% des Bruttoinlandsproduktes. Seit dem Jahr 2008 haben sich die Schulden in etwa verdoppelt, im gleichen Zeitraum ist das BIP um 40% gestiegen.

4.145 Mrd. bzw. 51% des BIP

Für China ist das Verhältnis der Schulden (4.145 Mrd. $) zum BIP (13.400 Mrd. $) mit 51% vordergründig moderat – im Zeitablauf jedoch interessant. Während sich das BIP seit 2008 nämlich annähernd verdreifacht, also mit dem Faktor 2,9 erhöht hat, sind die Schulden von 27% des BIP auf über 50% des BIP gestiegen, also mit dem Faktor 4,5… in absoluten Zahlen:

China - BIP 2008 = 4.600 Mrd.  – Schulden 2018 = 1.240 Mrd. (27%)

China - BIP 2018 = 13.400 Mrd. – Schulden 2018 = 6.840 Mrd. (51%)

China - BIP 2018 zu 2008 + 190% - Schulden 2018 zu 2008 + 450%

Griechenland: 422 Mrd. bzw. 180% des BIP

Italien: 2.360 Mrd. bzw. 135% des BIP

Frankreich: 2.360 Mrd. bzw. 99% des BIP

Großbritannien: 2.200 Mrd. bzw. 88% des BIP

Deutschland: 2.000 Mrd. bzw. 60% des BIP

Japan: 13.300 Mrd. bzw. 240% des BIP

Warum beschreiben wir diesen Zustand derart ausführlich? Am Beispiel Deutschlands mit seiner durchaus moderaten Verschuldungssituation wollen wir etwas verdeutlichen. Während der durchschnittliche Zins, den Deutschland als Preis für seine Schulden zu bezahlten hat, mit Jahr 2008 bei etwa 5% p.a. lag, liegt dieser heute bei unter 1% p.a.; bezogen auf den Schuldenstand 2008 (1.600 Mrd. Euro) mussten aus dem Einnahmen des Staates also jährlich rund 80 Mrd. Zinsen bezahlt werden, heute liegt die Zinsbelastung bei 20 Mrd. (1% p.a. auf 2.000 Mrd.). Wer sich diese Relation einmal „auf der Zunge zergehen lässt“ wird schnell erkennen, wie wenig realistisch die Erwartung höherer Zinsen heute ist. Mit Zinsen nahe oder gar unter 0% kann sich jeder Staat Schulden „leisten“, die quasi „unendlich“ hoch sind – bei steigenden Zinsen werden die Möglichkeiten, alle anderen Ausgabepositionen im jeweiligen Staatshaushalt (wie Soziales, Verteidigung, Infrastrukturausgaben usw.) zu gestalten jedoch sehr schnell äußerst überschaubar…

Doch kommen wir zurück auf den Anleger, der seine Auswahlkriterien festgelegt hat, sich über den „richtigen“ Zeitpunkt für sein Investment klarwerden muss.

Wenn wir davon ausgehen, dass auch der längste Wirtschaftsaufschwung irgendwann einmal zu Ende gehen muss, gleichzeitig die Handlungsfähigkeit für die Fiskalpolitik vieler Länder aufgrund der dargestellten Schuldenstände überschaubar ist, dann sieht dieser Anleger am Himmel durchaus einige Wolken hängen, fragt sich, wann der Markt wohl kippt, die Kurse zum Einkauf günstiger werden.

Nun, wir meinen, dass hier einige „althergebrachte“ Eigenschaften zum Tragen kommen sollten:

1. Disziplin: die individuell bevorzugten Auswahlkriterien sind verstanden, definiert und werden nicht im der Betrachtung der Flut von täglichen Informationen immer wieder „über den Haufen geworfen“;

2. Geduld: Rom ist nicht an einem Tag erbaut worden, Wirtschafts-, Finanz- und auch politische Entwicklungen ändern sich nicht von einem auf den anderen Tag; wir alle müssen unser Erspartes nicht heute, hier und jetzt komplett investieren, schließlich wollen wir an der mittel- bis langfristigen Entwicklung der Unternehmensgewinne partizipieren, nicht auf einzelne Nachrichten spekulieren;

3. Entschlossenheit: wenn es dann „soweit“ ist, die Gewinne der nach unseren Auswahlkriterien identifizierten Unternehmen am Markt „preiswert“ oder gar „billig“ angeboten werden, schlagen wir zu, investieren bzw. kaufen;

4. Demut: die eigenen Überzeugungen müssen immer hinterfragt werden – Selbstgefälligkeit nach dem Motto: „ich weiß doch, wie es funktioniert“ ist fehl am Platze, die Möglichkeit, dass man selber einfach falsch liegt, müssen wir einkalkulieren;

Besonders die Demut hat es uns hier bei Werte Invest angetan. Gerade heute, vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Entwicklungen, der Zinssituation, zunehmenden Handels- und Zollbeschränkungen, dem Brexit und nicht zuletzt der zunehmenden Polarisierung vieler Gesellschaften, sollte in die Zusammenstellung eines Portfolios eben auch eine gute Portion Demut einfließen.

Wie wir das machen?

Die o.g. Punkte haben in den letzten Monaten dazu geführt, dass besonders europäische Unternehmen vielfach sehr verhaltene Aussichten für die Zukunft kommuniziert haben. Diese „Gewinnwarnungen“ wurden von den internationalen Investoren sofort in Anlageentscheidungen umgesetzt und so sind die Kurse dieser Unternehmen stark zurückgegangen. Einige dieser Aktien sind für den „Value“ Investor heute sicherlich einen Blick wert, schließlich entsprechen Bilanzqualität, Konjunktur-Resistenz und Bewertung genau seinem „Beuteschema“. Für die Auswahl besonders hervorzuheben ist heute sicherlich die Korrelation der Unternehmensentwicklung mit der schwächelnden Konjunktur (insbesondere in Europa ist das schon sehr deutlich zu sehen) – sie sollte nicht zu hoch sein.

Ein weiterer Bestandteil eines „demütigen Portfolios“ ist für uns eine erhöhte Quote an Bargeld/Cash. In der Vergangenheit hat sich häufig erst im Zeitablauf herausgestellt, dass die Erwartungen der Investoren/Analysten an Konjunktur und Unternehmensgewinne in eine wirtschaftliche Verlangsamung hinein, zu lange zu hoch waren – die Cash-Haltung ist deshalb dazu gedacht, das „Pulver trocken zu halten“. Bargeld erhöht gleichzeitig unser Wohlbefinden, schließlich partizipieren wir an sinkenden Kursen auf Portfolioebene nur zu einem Teil. Eine steigende Volatilität ist schließlich nur dann angenehm, wenn sie aufwärtsgerichtet ist - aktuell hält der wohl bekannteste Investor, Warren Buffet, innerhalb seines Investmentvehikels Berkshire Hathaway den höchsten Cash Bestand aller bekannten Investoren.

Und zum Schluss ist auch das Aussitzen eine Schwächephase an den Börsen eine Eigenschaft des „demütigen Investors“. Diejenigen, die meinen, sie könnten immer unten „Ein“- und oben „Aussteigen“, mögen anderer Meinung sein, sie sind dann halt schlauer als alle anderen. Wir sind das nicht – folglich sind wir eben demütig.

So, das soll es mit den Tulpen gewesen sein – gespannt sind wir auf Ihre Fragen/Anmerkungen zur Serie, danken für Ihre Aufmerksamkeit und Ihre Geduld!

Ihr Werte Invest Team aus dem Kölner Süden

 
P.S.: in nächsten Beitrag werden wir Ihnen dann einige investierbare Beispiele aus dem Fondsuniversum vorstellen – Sie sollen ja auch konkret sehen, was „dahinter steckt“…

Werte Invest - 07:17 @ News | Kommentar hinzufügen

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